Kompaktversion

Sie haben die Wahl: Hier finden Sie alle Informationen auf einen Blick. Alternativ können Sie auch die einzelnen Schritte in der Menüleiste direkt auswählen.

1. Pflichtversicherung

Der Weg führt Sie als Erstes zur Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft (SVA). Wenn Sie dort

  • als Künstlerin oder Künstler
  • aufgrund der Ausübung einer selbstständigen Tätigkeit
  • in der Pensionsversicherung pflichtversichert sind (um es juristisch auf den Punkt zu bringen: pflichtversichert gemäß § 2 Abs. 1 Z 4 GSVG),

dann haben Sie bereits die erste Voraussetzung erfüllt.

Denn der Fonds leistet Zuschüsse zu den Sozialversicherungsbeiträgen, die Sie sonst selbst bei der SVA zahlen müssten. Und auch nur diese Institution ist für Ihre Sozialversicherung zuständig. Versicherungsrechtliche (Detail-)Fragen können daher nur mit der SVA geklärt werden. Der KSVF ist keine Versicherungsanstalt.

Liegt bei der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft keine solche gesetzliche Pensionsversicherung vor, können vom KSVF auch keine Zuschüsse zu Ihren SVA-Beiträgen geleistet werden!

Konkretes Beispiel: Sind Sie ausschließlich aufgrund eines Gewerbescheins (und somit nach § 2 Abs. 1 Z 1 GSVG) bei der SVA pflichtversichert, dann kann der Fonds keine Zahlungen leisten.

2. Der Antrag

Nichts geht automatisch. Um das Verfahren für Ihren Zuschuss einleiten zu können, benötigt der Fonds Ihren Antrag. Das hierfür erforderliche Antragsformular können Sie entweder online ausfüllen, ausdrucken und schicken oder Sie laden sich die pdf-Version herunter. Eine formlose Antragstellung - sei es mündlich oder schriftlich - ist gesetzlich nicht möglich.

Füllen Sie das Antragsformular vollständig und gut lesbar aus und unterschreiben Sie es. Bitte beschränken Sie sich bei den Beilagen auf die am Ende des Formulars angeführten Unterlagen:

  1. Ausführlichenr chronologischer Lebenslauf, der insbesondere die selbstständige künstlerische Tätigkeit vor allem im Zeitraum der Antragstellung herausarbeitet
  2. Nachweise über den Erhalt von Preisen und Stipendien udgl.
  3. Zeugnisse über künstlerische Ausbildungen in Kopie
  4. Einkommensteuerbescheide in Kopie für beantragte Kalenderjahre (falls bereits vorhanden)

Der Antrag kann sowohl bei der SVA als auch beim Künstler-Sozialversicherungsfonds eingereicht werden. Er kann rückwirkend für vier Kalenderjahre gestellt werden (z.B. im Kalenderjahr 2015 auch für die Kalenderjahre 2011, 2012, 2013 und 2014).

3. Künstlerische Tätigkeit

Im nächsten Schritt wird überprüft, ob es sich bei Ihrer Tätigkeit um eine künstlerische im Sinne des § 2 Künstler-Sozialversicherungsfondsgesetzes (K-SVFG) handelt.

Künstlerin bzw. Künstler ist demzufolge, wer in den Bereichen der bildenden Kunst, der darstellenden Kunst, der Musik, der Literatur, der Filmkunst oder in einer der zeitgenössischen Ausformungen der Bereiche der Kunst

  • im Rahmen einer künstlerischen Tätigkeit
  • Werke der Kunst schafft.

Beide Voraussetzungen müssen erfüllt sein!

Wie findet diese Überprüfung statt? Der Fonds holt ein Gutachten ein. Dieses wird von einer - aus Kurien zusammengesetzten - Kommission erstellt. Die jeweilige Kurie setzt sich aus fachkundigen Vertreterinnen und Vertretern  Ihrer Interessensvertretungen und Verwertungsgesellschaften zusammen.

Für die Erstellung dieses Gutachtens werden Unterlagen und Werkproben benötigt. Bitte reichen Sie diese - nach schriftlicher Aufforderung durch den Fonds - vorzugsweise in gut gezippter und komprimierter Form, z.B. per E-Mail, ein.

Hinweis: Sollte das Gutachten der zuständigen Kurie negativ ausfallen, dann empfehlen wir Ihnen, die nochmalige Beurteilung durch die Berufungskurie in Anspruch zu nehmen. In dieser Kurie werden Ihre Unterlagen anderen Sachverständigen vorgelegt. Wichtig: Hierfür gibt es Fristen!

4. Mindestgrenze

Durch die im Jänner 2015 in Kraft getretene Novelle des Künstler-Sozialversicherungsfondsgesetzes wurden zahlreiche Verbesserungen umgesetzt. Diese betreffen auch die Mindestgrenze und sind sehr umfangreich geregelt.

Damit es nicht ganz so kompliziert wird, gehen Sie die unten angeführten Punkte einfach schrittweise durch. Sobald Sie einen Punkt erfüllen, haben Sie die Mindestgrenze überschritten. Die restlichen Punkte dienen dann nur mehr zur Information.

4.1. Gewinn

Sie haben durch Ihr künstlerisches Schaffen im In- und Ausland einen gewissen Gewinn erzielt, der folgende Werte erreicht?

Wert 2014: € 4.743,72 Wert 2015: € 4.871,76  Wert 2016: € 4.988,64 Wert 2015: € 5.108,40
Diese Werte entsprechen dem 12fachen der ASVG-Geringfügigkeitsgrenze.


Bitte beachten Sie, dass es sich dabei um einen steuerrechtlichen Begriff handelt, der gesetzlich wie folgt definiert wird:

  • Begriffsdefinition: Gewinn = Überschuss der Betriebseinnahmen über die Betriebsausgaben = Einkünfte

Sollten Sie Ihre selbständig künstlerische Tätigkeit während des Kalenderjahres beginnen oder beenden, reduziert sich diese Grenze entsprechend.

Konkretes Beispiel: Sie sind nur drei Monate im Kalenderjahr 2015 versichert:
Berechnung: € 4.871,76 / 12 Monate x 3 Monate = € 1.217,94

4.2. Einnahmen

Ihr Gewinn war nicht hoch genug? Wie schaut es mit Ihren Einnahmen aus der selbständig künstlerischen Tätigkeit aus? Erreichen diese folgende Werte?

Wert 2014: € 4.743,72 Wert 2015: € 4.871,76  Wert 2016: € 4.988,64 Wert 2015: € 5.108,40

4.3. Stipendien und Preise

Erreichen weder Ihr Gewinn noch Ihre Einnahmen aus selbständig künstlerischer Tätigkeit diese Mindestgrenze? Dann überprüfen Sie bitte, ob Sie Stipendien und Preise gemäß § 3 Abs. 3 des Kunstförderungsgesetzes, die als Einkommensersatz dienen, erhalten haben.

4.4. künstlerischen Nebentätigkeit

Wie sieht's aus mit Einnahmen aus einer künstlerischen Nebentätigkeit?
Somit mit Einnahmen aus z.B. aus Unterricht, Kunstvermittlung, Kunstinterpretation? Und um es juristisch auf den Punkt zu bringen - mit Einnahmen aus Vorbereitungstätigkeiten sowie Tätigkeiten, die dazu dienen, künstlerisches Schaffen weiter zu tragen, zu verbreiten oder zugänglich zu machen?
Was müssen Sie dazu noch wissen? Diese Einnahmen müssen im Zusammenhang mit Ihrem beantragten Kunstbereich bzw. Ihrer bereits positiv beurteilten künstlerischen Tätigkeit stehen. Weiters können diese Einnahmen bis höchstens 50 % der oben angeführten Werte der Mindestgrenzen berücksichtigt werden.

Konkretes Beispiel: Sie malen und geben nebenbei Musikunterricht. Geht das? Nein!
Oder Sie spielen in einer Band und geben nebenbei Gitarrenunterricht. Geht das? Auf jeden Fall!
Durch Ihre Auftritte verdienen Sie € 3.000,00 im Jahr 2015, durch den Unterricht € 4.000,00. Wie berechnet sich jetzt die Grenze: € 3.000,00+ € 2.435,88 (€ 4.871,76 x 50 %) = € 5.435,88

4.5. Durchrechnungszeitraum

Klappts noch immer nicht?
Dann besteht nun die Möglichkeit, Ihre Einkommenssituation in einem dreijährigen Durchrechnungszeitraum nochmals durchzurechnen. Bitte beachten Sie hierbei. Diese „3-Jahres-Einheiten“ sind für jede Künstlerin bzw. jeden Künstler individuell und abhängig vom Jahr des erstmaligen Zuschussbezugs.

Konkretes Beispiel:
Einnahmen 2014 €   1.000,00
Einnahmen 2015 €   1.000,00
Einnahmen 2016 € 19.000,00
Gesamte Einnahmen € 21.000,00


Verteilt auf 3 Jahre errechnen sich € 7.000,00 pro Kalenderjahr. Die jeweiligen Grenzen wurden daher prinzipiell überschritten. Ob das für Sie im Einzelfall auch zutrifft - dafür setzen Sie sich bitte mit dem Fonds in Verbindung!

4.6. Bonusjahre

Last but not least! Wenn alle Stricke reißen. Wird die Mindestgrenze auch unter Berücksichtigung der zuvor beschriebenen Regelungen nicht erreicht, so gibt es fünf „Bonusjahre. D.h. in den ersten fünf Jahren, in denen die erforderlichen Mindesteinkünfte bzw. Mindesteinnahmen nicht vorliegen, kann der Zuschuss dennoch bezogen werden. Bitte beachten Sie: Hat der Fonds in der Vergangenheit im Zuge von Rückforderungsverfahren auf Zuschussrückzahlungen verzichtet, so werden die betreffenden Jahre als Bonusjahre mitgezählt.

Mindestgrenze "überschritten"? Ausgezeichnet! Dann beachten Sie bitte auch unsere Höchstgrenze!
Beide Grenzen sind wichtig und müssen eingehalten werden!

Ein Hinweis noch zum Schluss: Auch Einkünfte aus unselbständig künstlerischer Tätigkeit, sofern aufgrund dieser Tätigkeit keine Beitragszeiten in der gesetzlichen Pensionsversicherung erworben werden oder diese Einkünfte nicht der gesetzlichen Pensionsversicherung unterliegen (d.h. im Prinzip Einkünfte aus einer geringfügigen Tätigkeit) können nach wie vor berücksichtigt werden.

5. Höchstgrenze

Jetzt geht´s darum, Ihren Einkommensteuerbescheid zur Hand zu nehmen und den Posten "Gesamtbetrag der Einkünfte" zu suchen. Wenn Sie ausländische Einkünfte erwirtschaftet haben, sind diese zu diesem Posten zu addieren. Wieso ist das wichtig?

Der Fonds kann Zuschüsse nur an Künstlerinnen und Künstler gewähren, deren Gesamtgewinn die zulässige Höchstgrenze nicht überschreitet. Diese Grenze setzt sich gemäß § 2 Abs. 3 Einkommensteuergesetz 1988 (EStG 1988) aus folgenden Einkünften zusammen:

  • Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft
  • Einkünfte aus selbständiger Arbeit
  • Einkünfte aus Gewerbebetrieb
  • Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit
  • Einkünfte aus Kapitalvermögen
  • Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung
  • sonstige Einkünfte im Sinne des § 29 EStG 1988.

Wie hoch darf Ihr Gesamtgewinn maximal sein?

Wert 2014: € 25.695,15 Wert 2015: € 26.388,70 Wert 2016: € 27.021,80 Wert 2017: € 27.021,80
Diese Werte entsprechen dem 65fachen der ASVG-Geringfügigkeitsgrenze.


Ausnahme von dieser Regel - Erhöhung der Höchstgrenze im Falle von Kindern:
In Kalenderjahren, in denen für ein Kind Anspruch auf Familienbeihilfe besteht, erhöht sich diese Grenze um das Sechsfache der jeweils geltenden Geringfügigkeitsgrenze pro Kind. (Diese Voraussetzung ist auch erfüllt, wenn der Anspruch auf Familienbeihilfe für dieses Kind z.B. dem anderen Elternteil zusteht.) Dies bedeutet, dass sich die Höchstgrenze pro Kind jeweils um den halben Betrag der oben angeführten Werte der Mindestgrenze erhöht.

Konkretes Beispiel: Für das Kalenderjahr 2015 beträgt die Höchstgrenze bei einem Kind:   € 2.435,88 + € 26.388,70 = € 28.824,58 zwei Kindern: € 4.871,76 + € 26.388,70 = € 31.260,46 etc.
Alle Grenzen auf einen Blick finden Sie hier.

6. Abschluss des Verfahrens

Gratulation! Sie haben's bis hierher geschafft. Wie geht's jetzt weiter?

Ganz allgemein gilt - der Fonds entscheidet schriftlich mittels Bescheid.

Positiver Bescheid - Der Zuschuss wird bewilligt

Bevor das Verfahren abgeschlossen wird, nehmen wir nochmals Kontakt mit Ihnen auf, um zu klären, ob Sie den Zuschuss befristet oder unbefristet beziehen möchten. Was bedeutet das genau?

Unbefristet: Der Fonds zahlt die Beitragszuschüsse für die beantragten Kalenderjahre sowie laufend für die Folgejahre an die Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft aus. Ihnen werden als Konsequenz nur die um den  Beitragszuschuss verringerten Sozialversicherungsbeträge vorgeschrieben.

Sollten Sie diese Möglichkeit wählen, machen wir Sie nochmals ausdrücklich auf Ihre Meldepflicht aufmerksam. Sie sind in diesem Fall dazu verpflichtet, v.a. die Mindest- und Höchstgrenze im Auge zu behalten und sich mit dem Fonds in Verbindung zu setzen, sollten Sie diese nicht mehr einhalten können!

Befristet: Der Fonds zahlt den Beitragszuschuss ausschließlich für die beantragten Kalenderjahre an die Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft aus. Ihnen werden als Konsequenz nur die um den  Beitragszuschuss verringerten Sozialversicherungsbeträge vorgeschrieben.

Sollten Sie diese Möglichkeit wählen, können Sie natürlich gerne auch für die Folgejahre wieder einen Antrag stellen. Wenn sich Ihre künstlerische Tätigkeit nicht ändert, wird kein neuerliches Gutachten durch eine Kurie erstellt. Um feststellen zu können, ob Sie noch im bereits beurteilten Kunstbereich tätig sind, geben Sie bitte an, an welchen Projekten Sie im/in den beantragten Kalenderjahr/en gearbeitet haben bzw. welche Vorhaben noch geplant sind
(= Projektliste)

Bitte beachten Sie: Bei beiden Alternativen erfolgt keine direkte Auszahlung des Beitragszuschusses auf Ihr eigenes Konto!

Negativer Bescheid - Der Antrag wird abgelehnt

Wenn sich im Rahmen des Verfahrens herausstellt, dass eine Voraussetzung (Punkt 1 bis 5) nicht erfüllt wird, kann kein Zuschuss gewährt werden und der Fonds erlässt einen negativen Bescheid. Gegen diesen steht Ihnen die Möglichkeit der Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht offen.

Bei Vorliegen neuer Tatsachen kann neuerlich ein Antrag auf Gewährung des Zuschusses gestellt werden.