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Was ist ein Notfall?

Der Künstler-Sozialversicherungsfonds kann Sie in besonders berücksichtigungswürdigen Notfällen mit einer Beihilfe unterstützen. Dies betrifft Situationen, für die es keine andere oder ausreichende andere Möglichkeit außer der Beihilfengewährung des Fonds gibt, den Notfall zu bereinigen oder zu verringern.

Laut Rechtslage kann der Fonds Sie insbesondere bei folgenden Fällen unterstützen:

a.
zur Deckung des notwendigen Lebensunterhalts bei Einkommensausfall wegen schwerer oder langandauender Erkrankung oder anderer unvorhersehbarer Ereignisse;
b. Ersatz von Kosten für dringende Anschaffungen oder Reparaturen aufgrund eines außergewöhnlichen Ereignisses;
c. zur Deckung erhöhter Aufwendungen bei Erkrankungen (z.B. Diabetes);
d. für medizinische notwendige Aufenthalte in Kur-, Genesungs- oder Erholungsheimen.


Für die Gewährung der Beihilfe ist neben dem Notfall Ihre wirtschaftliche und persönliche Lage relevant. Es ist daher erforderlich, Ihre Einkünfte und Vermögensverhältnisse, insbesondere in den letzten 6 Monaten vor Antragstellung, zu überprüfen.

Bitte beachten Sie: Eine finanzielle Unterstützung kann nur dann gewährt werden kann, wenn für den entsprechenden Sachverhalt kein Rechtsanspruch auf Beihilfe gegenüber einer Körperschaft des öffentlichen Rechts, einer Verwertungsgesellschaft, einem Versicherungsunternehmen oder einer vergleichbaren Institution besteht. Sollte nachträglich für denselben Sachverhalt eine Leistung von einer Körperschaft des öffentlichen Rechts, einer Verwertungsgesellschaft, einem Versicherungsunternehmen oder einer vergleichbaren Institution erbracht werden, ist die Beihilfe des Fonds in jenem Ausmaß zurückzuzahlen, als Leistungen von diesen Rechtsträgern erbracht worden sind.

Bezugsberechtige Personen

Der Fonds kann eine Beihilfe gewähren an:

  • Künstlerinnen bzw. Künstler, die Werke der Kunst im Sinne des § 2 Abs.1 K-SVFG schaffen und
  • zumindest über einen 6-monatigen Hauptwohnsitz in Österreich im Zeitpunkt der Antragstellung verfügen. Werden wiederkehrende Leistungen beantragt und genehmigt, muss der Hauptwohnsitz für die Dauer des gesamten Bezugs in Österreich liegen. Der Hauptwohnsitz ist durch die Vorlage einer aktuellen Meldebestätigung nachzuweisen.

Wenn Ihre "KünstlerInneneigenschaft" bereits positiv beurteilt ist, ist keine weitere Überprüfung dieser Voraussetzung mehr erforderlich.

Wichtiger Hinweis: Es spielt keine Rolle, ob Sie Ihre künstlerische Arbeit selbständig oder unselbständig ausüben.

Was wird ersetzt?

Der Notfall ist eingetreten - welche Kosten kann der Fonds nun übernehmen?

a) Kosten für den notwendigen Lebensunterhalt

Begriffsdefinition: Der notwendigen Lebensunterhalt umfasst den Bedarf eines Menschen, insbesondere an Ernährung, Kleidung und Unterkunft einschließlich Heizung, Körperpflege, Hausrat und anderen Bedürfnissen des täglichen Lebens.
Bei der Prüfung der Hilfebedürftigkeit ist das gemeinsame Einkommen und Vermögen von Ehe- oder Lebenspartnern im Sinne des Eingetragenen Partnerschaft-Gesetzes mit zu berücksichtigen.

Wichtig: Beihilfen können nur wegen schwerer oder langandauernden Erkrankung oder anderer unvorhersehbarer Ereignisse gewährt werden. Auftragsrückgänge wegen der allgemein schlechten Wirtschaftslage können grundsätzlich nicht als auslösendes Moment für den Notfall gewertet werden.

Und was bedeutet das konkret?
Beispiel: Aufgrund eines Unfalls (unvorhersehbares Ereignis) können Sie Ihre künstlerische Tätigkeit für fünf Monate nicht mehr ausüben. Andere Einkünfte haben Sie nicht; dafür aber monatliche Fixkosten in Höhe von rund € 1.000,00.
Was nun? Ansuchen vollständig ausfüllen, Einkommensaufstellung beilegen; Kontoübersicht ausdrucken, Unterlagen (insbesondere ärztliches Attest) einreichen, Situation beschreiben. Im für Sie günstigsten Fall kann der Fonds Sie mit einer Beihilfe bis zu € 5.000,00 (5 x € 1.000,00) unterstützen.

b) Anschaffungen/Reparaturen

Durch ein außergewöhnliches Ereignis wird es erforderlich, einen Gegenstand neu anzuschaffen bzw. zu reparieren. Ein Kostenersatz ist hier für die unbedingt notwendigen, zweckentsprechenden Kosten möglich.

Und was bedeutet das konkret?
Beispiel: Ihr Laptop wird Ihnen gestohlen. Versicherung gibt es keine. Sie benötigen ihn aber unbedingt, um Ihre Tätigkeit als Grafikerin weiter auszuüben.
Was tun? Ansuchen vollständig ausfüllen, Einkommensaufstellung beilegen; Kontoübersicht ausdrucken, Unterlagen (insbesondere Kostenvoranschlag bzw. plausibles Angebot) einreichen, Situation beschreiben.

c) Krankheit

Sie sind erkrankt und die Kosten für den Heilungsprozess belasten Ihr Budget. Ein Kostenersatz kann hier für die aus Gründen der Krankheit erhöhten notwendigen Aufwendungen erfolgen.

Und was bedeutet das konkret?
Beispiel: Sie sind Restaurator und haben seit längerem Probleme im Schulter- und Wirbelsäulenbereich. Die Kasse zahlt Ihre dringend benötigte Physiotherapie nicht mehr.
Was nun? Ansuchen vollständig ausfüllen, Einkommensaufstellung beilegen; Kontoübersicht ausdrucken, Unterlagen (insbesondere ärztliches Attest, Kostenübersicht Physiobehandlung) einreichen, Situation beschreiben.

d) Kuraufenthalte

Sie hatten einen Unfall oder müssen sich nach einer Krankheit erholen? Dann können Sie bei der Pensionsversicherungsanstalt eine Kur beantragen. Wenn diese die Kosten nicht übernimmt, kann durch den Unterstützungsfonds ein Kostenersatz für medizinisch notwendige Aufenthalte erfolgen.
Was tun? Ansuchen vollständig ausfüllen, Einkommensaufstellung beilegen; Kontoübersicht ausdrucken, Unterlagen (insbesondere ärztliches Attest, Kostenübersicht Kuraufenthalt) einreichen, Situation beschreiben.

Höhe der Beihilfe

Beihilfen können in Form von Einmalzahlungen oder bei Besonderheit des Falles als wiederkehrende Geldleistungen ausbezahlt werden. Wiederkehrende Leistungen können maximal für einen Zeitraum von bis zu 12 Monaten gewährt werden. Die Höchstgrenze der Unterstützungsleistung beträgt pro Ansuchen € 5.000,00.

Bitte beachten Sie: Eine weitere Beihilfe für denselben Sachverhalt kann nicht gewährt werden. Ausnahme: Beihilfen zur Unterstützung der erhöhten Aufwendungen bei chronischen Erkrankungen.

Bei Vorliegen der Voraussetzungen wird das Ausmaß der Unterstützungen im Einzelfall unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Verhältnisse und der Gesamtsituation vom Beirat festgelegt. Entscheidungsrelevant ist der konkrete Notfall.

Verfahren zur Gewährung der Beihilfe

Um Sie in einem Notfall unterstützen zu können, muss ein Verfahren beim Künstler-Sozialversicherungsfonds durchgeführt werden. Für dessen Einleitung ist es erforderlich, das dafür vorgesehene Formular zu verwenden. Ein formloses Ansuchen - sei es mündlich oder schriftlich - ist gesetzlich nicht möglich.


Bitte beachen Sie: Unvollständig ausgefüllte Formblätter werden nicht berücksichtigt. Ansuchen an den Fonds sind längstens innerhalb von 6 Monaten nach Eintritt des entsprechenden Ereignisses zu stellen. Ansuchen nach Ablauf von 6 Monaten können nicht berücksichtigt werden.

Als Eintritt des entsprechenden Ereignisses werden folgende Zeitpunkte festgelegt:

a)   Der Zeitpunkt, ab dem der Lebensunterhalt nicht mehr ausreichend gedeckt werden kann.
b) Der Eintritt des außergewöhnlichen Ereignisses.
c) Der Zeitpunkt der Notwendigkeit der erhöhten Aufwendungen. Ansuchen für erhöhte Aufwendungen aufgrund chronischer Erkrankungen sind an keine Frist bei der Einreichung gebunden.
d) Die Ausstellung des entsprechenden ärztlichen Attests.

Folgende Unterlagen müssen dem Formular beigelegt werden:

Dokumentation wirtschaftliche Situation:

  • Nachweis über den jeweiligen Kontostand für die letzten 6 Monate (jeweils am Monatsende oder zu einem
    anderen regelmäßigen monatlichen Stichtag).
  • Aufstellung Ihres monatlichen Einkommens sowie Ihrer monatlichen Fixkosten. Diese könnte z.B. so (Excel-Vorlage) aussehen.
  • konkrete und nachvollziehbare Dokumentation der Berechnung der beantragten Beihilfe samt Begründung

Dokumentation Notfall:

  • konkrete Schilderung der Notsituation (Eintritt des Notfalls - konkretes Datum! Welche Maßnahmen wurden zur Verbesserung der Situation gesetzt, etc.)
  • Unterlagen sind abhängig vom Notfall z.B. ärztliches Attest, Nachweis der konkreten Kosten, Mahnungen, Zahlungsvorschreibungen, etc. (Details siehe Teil 2 Antragsformular)

Dokumentation Hauptwohnsitz:

  • aktueller Meldezettel, der zweifelsfrei belegt, dass Sie mindestens 6 Monate in Österreich vor Antragstellung gemeldet waren

Dokumentation "KünstlerInneneigenschaft" (falls noch keine Beurteilung vorliegt):

  • ausführlicher Lebenslauf, der insbesondere die bisherige künstlerische Tätigkeit herausarbeitet (v.a. Angaben zu öffentlichen Auftritten, Ausstellungen, Ankäufen, etc.)
  • falls vorhanden:  Nachweise über den Erhalt von Preisen und Stipendien udgl. 
  • Zeugnisse über künstlerische Ausbildungen in Kopie

Hier gilt - je besser und übersichtlicher Sie Ihren konkreten Fall dokumentieren, desto rascher funktioniert die Abwicklung.

Durch Unterfertigung werden die Richtlinien, die Grundlage für die Entscheidung und auf der Homepage des Fonds veröffentlicht sind, in der jeweils aktuellen Fassung zum Zeitpunkt der Antragstellung anerkannt.

Beirat

Zur Beratung über die Gewährung der Beihilfen wurde ein Beirat eingerichtet, der aus vier Mitgliedern besteht. Diese Mitglieder wurden bestellt vom:

  • Bundeskanzleramt
  • Kulturrat Österreich
  • Künstler-Sozialversicherungsfonds

Das vierte Mitglied ist jeweils von den repräsentativen Künstlervertretungen zu entsenden, deren Reihenfolge zur Bestellung wie folgt festgelegt wurde:

  1. AAC (Austrian Association of Cinematographers) Verband Österreichischer Kameraleute
  2. Architekturzentrum Wien
  3. austrian directors association (ada)
  4. austrian editors association, Österreichischer Verband Film- und Videoschnitt (aea)
  5. berufsvereinigung der bildenden künstler österreichs
  6. Bundeskammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten
  7. Dachverband der Österreichischen Filmschaffenden
  8. design austria
  9. dok.at Interessensgemeinschaft Österreichischer Dokumentarfilm
  10. drehbuchverband austria
  11. Galerie Fotohof, Verein zur Förderung der Autorenfotografie
  12. gesellschaft bildender künstler österreichs, künstlerhaus
  13. Gewerkschaft der Gemeindebediensteten - Kunst, Medien, Sport, freie Berufe – Sektion
    Bühnenangehörige
  14. Gewerkschaft der Gemeindebediensteten Kunst, Medien, Sport, freie Berufe – Sektion Film, Foto,
    Audiovisuelle
  15. Gewerkschaft der Gemeindebediensteten Kunst, Medien, Sport, freie Berufe – Sektion Musik
  16. Gewerkschaft der Gemeindebediensteten Kunst, Medien, Sport, freie Berufe – Sektion Unterricht,
    Sport, freiberuflich
  17. Grazer Autorinnen Autorenversammlung
  18. IG Architektur
  19. IG Autorinnen Autoren
  20. IG Bildende Kunst
  21. IG Freie Theaterarbeit (IGFT)
  22. ig world music austria
  23. Internationale Gesellschaft für Neue Musik – Sektion Österreich (IGNM)
  24. Musiker-Komponisten-Autorengilde (MKAG)
  25. Österreichische Gesellschaft für Architektur (ÖGFA)
  26. Österreichische Gesellschaft für Zeitgenössische Musik (ÖGZM)
  27. Österreichischer Komponistenbund (ÖKB)
  28. Österreichischer Musikrat (ÖMR)
  29. Österreichischer P.E.N. Club
  30. Übersetzergemeinschaft (ÜG)
  31. Verband der Filmregisseure Österreichs
  32. Verband dramatischer Schriftsteller Österreichs
  33. Verband Österreichischer FilmausstatterInnen
  34. Verband Österreichischer FilmschauspielerInnen (VÖFS)
  35. Verband Österreichischer Sounddesigner (VOeSD)
  36. Vereinigung bildender Künstlerinnen Österreichs (VBKÖ)
  37. Vereinigung bildender KünstlerInnen Wiener Secession
  38. VOICE – Verein der Sprecher und Darstelle

Der Beirat hat im Rahmen seiner Tätigkeit - nach sorgfältiger Überprüfung des Einzelfalls – festzustellen, ob und
inwieweit die Voraussetzungen für die Gewährung einer Beihilfe vorliegen. Bejahendenfalls ist ein Vorschlag
über die Höhe der Beihilfe zu erstatten. Ein Rechtsanspruch auf die Beihilfe besteht nicht.